Jedes Baum-Symbol steht für eine Herkunft von Abies- oder Fagus-Samen. Der Name der Herkunft setzt sich aus der Art (AA = Abies alba, AN = Abies nordmanniana, FS = Fagus sylvatica und FC = Fagus caspica), dem Land (z. B. DE = Deutschland, PL = Polen usw.) und einer Zahl zusammen, falls es mehrere Herkünfte aus einem Land gibt. Die Diamant-Symbole zeigen die Standorte der Pilot-Mikrogärten, mit Nummern von 1 bis 25. Von den 25 registrierten Teilnehmenden haben nur 18 ihren Garten installiert und/oder regelmässig überwacht. Im Hintergrund siehst du die natürliche Verbreitung von Abies (orange) und Fagus (blau).
In unserer Pilotphase (2021–2023) haben wir die Protokolle für die ersten Mikrogärten entwickelt und getestet. 18 Pionier-Forstleute aus ganz Europa waren dabei und haben das Fundament für das heutige Netzwerk gelegt.
Die Karte unten zeigt die Standorte der Samenherkünfte und Mikrogärten – von Frankreich bis zum Kaukasus. In dieser Anfangsphase haben wir Samen nicht gesammelt, sondern gekauft: 12 Herkünfte von Abies alba, 9 von Fagus sylvatica sowie je eine von deren östlichen Verwandten Abies nordmanniana und Fagus caspica (im Versuch als Fagus orientalis bezeichnet) verwendet. Wegen ihrer Einzigartigkeit und ausreichenden Menge ist die Fagus caspica-Herkunft aus dem Iran die einzige Samenquelle, die sowohl in der Pilotphase als auch in den aktuellen Versuchen 2023–2028 eingesetzt wird.
Um zu verstehen, was den Keimerfolg beeinflusst, haben wir Samen sowohl unter kontrollierten als auch unter natürlichen Bedingungen getestet. Zuerst gab es Klimakammer-Experimente mit standardisierten Temperatur-, Licht- und Feuchtigkeitsbedingungen. Dann wurden dieselben Herkünfte direkt in Wald-Mikrogärten ausgesät – nach einem sehr ähnlichen Protokoll, wie du es verwendest. So konnten wir eine entscheidende Frage beantworten: Sagen Laborversuche wirklich etwas über die Leistung im Wald aus?
Klimakammer-Aufbau. Links: Überblick über eine der Klimakammern mit mehreren Tabletts, die mit Samen verschiedener Herkünfte und Familien ausgesät wurden. Rechts: Nahaufnahme eines Tabletts während eines Beobachtungsprotokolls. Einige Fagus-Samen, zum Beispiel in Reihe J und K, keimen bereits.
Heatmaps zeigen, wie gut die Samen in verschiedenen Gartenstandorten gekeimt haben. Das linke Panel zeigt die Ergebnisse für Abies, das rechte für Fagus. Jede Spalte steht für Samen aus einer anderen Herkunft, jede Zeile für einen Testgarten, in dem die Samen ausgesät wurden. Je dunkler die Farbe, desto mehr Samen sind gekeimt. Die Spalten und Zeilen sind jeweils von niedrigster zu höchster Keimrate sortiert. Diagonale Linien (schraffierte Felder) bedeuten, dass diese Samenquelle in diesem Garten nicht getestet wurde, X-Markierungen zeigen Kombinationen, bei denen keine Samen gekeimt sind. Die grauen Balken am Rand zeigen die durchschnittliche Keimrate für jede Samenquelle (oberer Balken) bzw. jeden Garten (rechter Balken). Gartenstandort 21 taucht zweimal auf (21A1/21F1 und 21A2/21F2), weil dort Samen in zwei sehr unterschiedlichen Umgebungen ausgesät wurden, die als separate Gärten mit jeweils zwei Blöcken behandelt wurden.
Abies spp
Bei Tannen fanden wir nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Labor- und Feldergebnissen, und die Keimung im Feld lag im Schnitt nur bei 21 % der Laborwerte. Überraschend: Manche Herkünfte, die im Labor schlecht abschnitten (<10 % Keimung), schafften draussen in bestimmten Wäldern doch beachtliche Werte. Die Heatmaps zeigen grosse Unterschiede je nach Standort – von fast null bis über 50 % Keimung für dieselbe Herkunft, je nach Standort des Gartens.
Fagus spp
Bei Buchen gingen Labor- und Feldergebnisse noch weiter auseinander. Die kaspische Buche aus dem Iran war im Labor Spitzenreiter mit 60 % Keimung, schaffte im Feld im Schnitt aber nur 4,6 %. Die italienische Buche, die im Labor kaum keimte (<1 %), erreichte draussen in manchen Wäldern über 30 % (Abbildung , rechtes Diagramm).
Die Umwelt im Wald ist genauso wichtig wie die Herkunft der Samen. Laborversuche liefern nützliche Infos zur Keimfähigkeit, können aber den Regenerationserfolg an bestimmten Standorten nicht zuverlässig vorhersagen. Dieselbe Herkunft kann je nach lokalen Bedingungen unterschiedlich abschneiden.
Bei beiden Arten war die Sterblichkeit im ersten Sommer am höchsten, mit weiteren Verlusten im ersten Winter. Wenn deine Sämlinge bis zur zweiten Vegetationsperiode durchhalten, bleiben sie meist auch im dritten Jahr am Leben – das zeigt, wie entscheidend die frühe Etablierung ist. Im Herbst 2024 lebten noch 55 Tannen- und 42 Buchen-Sämlinge in allen Mikrogärten (Pilotversuche) – das zeigt, wie herausfordernd natürliche Regeneration unter echten Waldbedingungen ist.
Es gab deutliche Unterschiede zwischen den Arten. Einige Tannenherkünfte zeigten zwar nur mässige Anfangskeimung, überlebten dann aber sehr gut – sie waren langsam am Start, aber robust, wenn sie einmal da waren. Bei der Buche stach eine slowenische Herkunft heraus: hohe Anfangskeimung und überdurchschnittliches Überleben nach drei Jahren – eine seltene Kombination.
Wichtig: Hohe Keimung garantiert nicht, dass die Pflanzen auch bleiben. Manche Tannenherkünfte mit vielen Keimlingen verloren im ersten Sommer fast alle, während andere mit weniger Keimlingen langfristig besser überlebten. Das spricht für unterschiedliche Überlebensstrategien. Die Umwelt spielte in dieser frühen Phase die Hauptrolle: Frühjahrsniederschläge förderten die Keimung, aber das Überleben im Sommer hing stark von der lokalen Feuchtigkeit und den Mikrostandorten ab.
Die Pilotversuche zeigen, dass der Regenerationserfolg durch das Zusammenspiel von Samenherkunft und lokalen Waldbedingungen bestimmt wird – Muster, die man im Labor allein nicht erfassen kann.
Labortests sind informativ, aber nicht vorhersagend. Klimakammer-Experimente zeigen die Keimfähigkeit und genetische Unterschiede, aber der Zusammenhang mit dem Erfolg im Feld war schwach, besonders bei der Buche. Die Leistung im Feld hing stark von den Bedingungen vor Ort ab.
Lokale Bedingungen sind genauso wichtig wie die Herkunft. Die Unterschiede bei der Keimung und Überleben zwischen den Mikrogärten waren genauso gross wie zwischen den Samenherkünften. Die gleiche Herkunft zeigte an verschiedenen Standorten sehr unterschiedliche Ergebnisse, was auf starke Wechselwirkungen zwischen Herkunft und Umgebung hindeutet. Es gibt keine „beste“ Herkunft für alle Standorte.
Die frühen Lebensphasen sind die grösste Hürde. Die meisten Verluste gab es bei der Keimung und im ersten Sommer. Von etwa 18.000 ausgesäten Samen blieben nach drei Jahren nur 97 Sämlinge übrig. Eine hohe Keimfähigkeit garantierte keine Etablierung, während einige Provenienzen mit geringerer anfänglicher Keimfähigkeit eine höhere Überlebensrate nach der Etablierung aufwiesen.
Mehrjährige Beobachtung ist entscheidend. Die Leistung im ersten Jahr sagte wenig über das Überleben in den Folgejahren aus. Nur durch kontinuierliche Beobachtung finden wir heraus, welche Samenherkünfte sowohl gut keimen als auch langfristig überleben.
Diese Ergebnisse zeigen: Deine Beobachtungen unter echten Bedingungen liefern Erkenntnisse, die wir im Labor nie bekommen würden. Deine kontinuierliche Arbeit schafft die Wissensbasis, die wir brauchen, um Anpassungspotenziale für den Klimawandel zu verstehen.
Wenn wir von Citizen Science sprechen, meinen wir Forschung, die auf Daten basiert, die von Menschen ausserhalb traditioneller wissenschaftlicher Institutionen gesammelt werden. Es ist eine Art, Wissenschaft für die Gesellschaft zu öffnen und gleichzeitig Beobachtungsdimensionen zu erreichen, die Forschende allein niemals abdecken könnten.
Citizen Science hat eine lange Geschichte. In einigen Ländern begannen solche Initiativen bereits vor über zweihundert Jahren. Zum Beispiel startete das Marienkäfer-Beobachtungsnetzwerk in Belgien im Jahr 1800 und hat seither über 80'000 Beobachtungen gesammelt! Ebenso ist das phänologische Beobachtungsnetzwerk in Österreich seit 1851 (mit Unterbrechungen) aktiv. In diesen frühen Projekten folgten Bürgerinnen und Bürger anspruchsvollen Protokollen, führten wiederholte Beobachtungen durch oder bedienten sogar spezialisierte Geräte. Allerdings blieb die geografische Reichweite ihrer Beobachtungen begrenzt.
Mit der Zeit haben technologische Fortschritte – wie das Internet und Smartphones – Citizen Science grundlegend verändert. Heute erreichen viele Projekte Tausende Menschen über Länder oder sogar Kontinente hinweg und bitten um einfachere Daten oder sogar nur Fotos – denken Sie an das bekannte iNaturalist-Netzwerk.
Aus lokal begrenzten Projekten mit wenigen engagierten Freiwilligen sind groß angelegte Initiativen geworden, die wertvolle, aber leicht zu erhebende Daten von Tausenden Teilnehmenden über Ländergrenzen und Berufsgruppen hinweg sammeln — oft mit nichts weiter als einem Smartphone. Und wie ist es bei MyGardenOfTrees?
MyGardenOfTrees ist anders.
MyGardenOfTrees bringt Citizen Science in den Bereich koordinierter, verteilter Experimente (coordinated distributed experiments, CDEs). Dabei führen kooperierende Teams an vielen verschiedenen Standorten dieselben Experimente nach identischem Protokoll durch. Solche grossen, räumlichen und zeitlichen Skalen mit komplexen Experimenten zu kombinieren, ist herausfordernd — doch MyGardenOfTrees meistert diese Herausforderung, indem es Fachleute einbindet, die aktiv zur Forschung beitragen und helfen, Erkenntnisse in Politik und Praxis umzusetzen. Dieser kollaborative Ansatz stützt sich auf mehrere zentrale Stärken:
Citizen Science der nächsten Generation: wenn Bürgerinnen und Wissenschaftlerinnen gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln. Diese Art von Wissenschaft bietet Bürgerinnen hochgradig engagierende Tätigkeiten an, die zu ihrem beruflichen Hintergrund passen. In MyGardenOfTrees zum Beispiel arbeiten Försterinnen und Waldwissenschaftlerinnen zusammen, um ein europaweites Experiment durchzuführen, das Entscheidungen zur assistierten Migration unterstützt.
Mehrjährige Teilnahme: Die Teilnehmenden besuchen ihre Mikro-Gärten immer wieder, um Keimung, Überleben und Wachstum über Jahreszeiten und Jahre hinweg zu beobachten.
Aktives Experimentieren: Teilnehmende beobachten nicht nur die Natur — sie führen selbst Experimente durch, indem sie Samen unterschiedlicher Herkünfte unter kontrollierten Bedingungen aussäen.
Protokolltreue und Komplexität: Die Teilnehmenden folgen standardisierten Erfassungsprotokollen, sodass die Ergebnisse über Hunderte Standorte hinweg direkt vergleichbar sind.
Räumliche Vielfalt: Durch die über Europa verteilten Mikro-Gärten erfasst das Projekt Pflanzenreaktionen entlang breiter klimatischer und ökologischer Gradienten.
Zeitliche Tiefe: Weil über mehrere Jahre hinweg beobachtet wird, entsteht ein einzigartiger Einblick in frühe Walddynamiken unter dem Einfluss des Klimawandels.
All dies wird möglich durch die Beteiligung einer besonderen Gruppe von Teilnehmenden: Förster:innen. Sie bringen sowohl praktische Erfahrung als auch fachliches Wissen mit, was ihnen erlaubt, komplexe experimentelle Aufgaben auszuführen — und sie haben gleichzeitig ein echtes Interesse an den Ergebnissen.
Diese Zusammenarbeit positioniert MyGardenOfTrees in dem, was wir Citizen Science der nächsten Generation (next-generation citizen science, NGCS) nennen, Initiativen, in denen Teilnehmende spezialisiertes Fachwissen einbringen und eine aktive Rolle in strukturierten, hypothesengetriebenen Forschungsprojekten übernehmen. Wie die Grafik oben zeigt, bewegt sich MyGardenOfTrees an der Schnittstelle zwischen traditioneller Citizen Science und vollständig koordinierten verteilten Experimenten der Wissenschaft — und erweitert damit die Grenzen dessen, was partizipative Wissenschaft leisten kann.
Die Stärke wissenschaftlicher Schlussfolgerungen hängt direkt von der Qualität und Konsistenz der Daten ab, auf denen sie basieren.
In MyGardenOfTrees trägt jede aufgezeichnete Beobachtung zum Aufbau eines einzigartigen, europaweiten Datensatzes über Keimung und Wachstum von Keimlingen unter verschiedenen Umweltbedingungen bei. Die Beobachtungen, die im koordinierten Netzwerk der Mikro-Gärten entstehen, werden entscheidend sein, um zu testen, wie Weisstanne und Buche auf klimatische Unterschiede reagieren — Informationen, die letztlich Entscheidungen zur Waldanpassung und assistierten Migration unterstützen.
Struktur zählt – Klare, standardisierte Protokolle und Schulungsmaterialien stellen sicher, dass die über Hunderte Standorte erhobenen Daten vergleichbar bleiben.
Gemeinschaft zählt – Menschen bleiben engagiert, wenn sie Teil einer gemeinsamen wissenschaftlichen Reise sind, nicht nur, wenn sie eine einzelne Messung liefern.
Rückmeldung zählt – Das Teilen von Aktualisierungen und ersten Erkenntnissen (wie in diesem Blog oder auf der Ergebnisseite dieser Website) stärkt die Motivation und zeigt, dass jede Beobachtung wertvoll ist.
Diese Prinzipien zeigen: Citizen Science ist am wirkungsvollsten, wenn sie zu einer Zusammenarbeit zwischen Bürger:innen und Forschenden wird — getragen von gemeinsamer Motivation und Vertrauen.
Deine Teilnahme hat bereits gezeigt, dass Citizen Science ein neues Niveau an Genauigkeit und Engagement erreichen kann. Während die Datenerhebung weiterläuft, werden die Beobachtungen die Grundlage dafür bilden zu verstehen, wie Bäume sich etablieren, wachsen und unter unterschiedlichen Klimabedingungen überleben.
Dieses Wissen wird entscheidend sein, um eine der drängendsten Fragen der modernen Forstwirtschaft zu beantworten:
Wie können wir wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um assistierte Migration zu steuern und Wäldern zu helfen, sich an zukünftige Bedingungen anzupassen?
Gemeinsam zeigen wir, dass Citizen Science nicht nur Teilnahme bedeutet — sondern die gemeinsame Gestaltung der Wissenschaft, die unsere Wälder nachhaltig unterstützen wird.
Der Klimawandel macht die natürliche Verjüngung zunehmend unsicher. In unseren Klimakammer-Experimenten — mit denselben Saatgutherkünften, die später auch an die Teilnehmenden verschickt wurden — haben wir zwei zentrale Stressfaktoren getestet: kürzere, wärmere Winter, die die Kältesumme reduzieren, sowie wärmere, trockenere Frühlinge, die den Verdunstungsstress in der Keimlingsphase erhöhen. Analysen unseres Postdocs Leo Zeitler zeigen, dass Tannensämlinge unter diesen Bedingungen widerstandsfähiger sind, während die Buche Schwierigkeiten hat, sich unter klimatischem Stress zu etablieren.
In den Klimakammern testeten wir über 34.000 Samen aus 32 Tannen- und Buchenpopulationen in Europa, darunter etwa 10 Samenfamilien pro Population. Die Samen wurden zwei Varianten der Winterkälte bzw. Stratifizierung ausgesetzt (lang vs. kurz) sowie zwei Frühjahrsbedingungen (kühl vs. warm/trocken). Anschließend verfolgten wir die Entwicklung der Keimlinge alle paar Tage über einen Zeitraum von drei Monaten — ungefähr die Länge einer natürlichen ersten Vegetationsperiode. Untersucht wurden die allerersten Entwicklungsphasen vom Samen bis zum jungen Keimling.
Kurze Stratifizierung verzögerte die Keimung bei beiden Arten, während trockene/warme Keimbedingungen sie beschleunigten (siehe Abbildung unten). Fagus zeigte unter warmen Winterbedingungen geringere Keimraten (d.h. den Anteil der Samen, die einen Spross ausbildeten), während Abies auch bei reduzierter Kältesumme sowie wärmeren und trockeneren Frühjahrsbedingungen hohe Keimraten beibehielt. Allerdings traten die Effekte der reduzierten Stratifizierung erst später in der Entwicklung zutage: Bei beiden Arten zeigten Keimlinge bestimmter Herkünfte unter wärmeren Bedingungen ein gestopptes Wachstum, was auf Wechselwirkungen zwischen dem genetischen Hintergrund der Herkünfte und der Umwelt, in der sie wachsen, hinweist. Die Entwicklung von Abies wurde stärker von der Herkunft beeinflusst, was auf eine ausgeprägtere adaptive Divergenz hindeutet, während Fagus ein konsistenteres Wachstum über verschiedene Herkünfte hinweg zeigte — ein Hinweis auf ein höheres Kolonisationspotenzial.
Wir analysieren weiterhin die Daten aus den Pilotversuchen 2021-2023! Bei diesen Versuchen pflanzten 18 Teilnehmer aus 7 verschiedenen Ländern (100 bis 1400 m ü. d. M.) Samen von 13 Herkünften von Abies spp. und 10 Herkünften von Fagus spp. Die Teilnehmer überwachten die Keimung, die Phänologie und das Überleben während der Vegetationsperiode 2022. Die Beobachtungen werden 2023 fortgesetzt und nach Ende dieser Vegetationsperiode ausgewertet.
Hier fassen wir den Erfolg und das Tempo der Keimung in den Klimakammern (an der WSL) und in den von Förstern in verschiedenen Ländern betreuten Mikrogärten zusammen. Wir haben uns entschieden, den kumulativen Prozentsatz der gekeimten Samen in Abhängigkeit von den Wachstumsgradtagen (GDD) darzustellen, die ein Mass für die Wärmeakkumulation sind. Damit die Samen keimen und sich zu gesunden Sämlingen entwickeln können, müssen sie im Winter Kälte (Chilling) und in der Wachstumsperiode Wärme und Feuchtigkeit ausgesetzt sein. Die GDD gibt an, wie viel Wärme sich angesammelt hat, seit die Tagesmitteltemperatur die 5°C-Marke erreicht hat. Die Verwendung von GDD anstelle des Datums ist nicht nur biologisch aussagekräftig, sondern ermöglicht auch einen Vergleich der Entwicklung von Sämlingen in verschiedenen Umgebungen. Die Linien zeigen die Entwicklung der verschiedenen Herkünfte an, und die Punkte geben an, wann die Beobachtungen durchgeführt wurden.
Regelmäßige Beobachtungen sind wertvoll und notwendig. Der Erfolg und die Entwicklung der verschiedenen Sorten in unterschiedlichen Umgebungen kann nur durch regelmäßige Beobachtungen verstanden werden! Wir danken allen unseren Teilnehmern für ihre Zeit und ihre Arbeit! Wir ermutigen auch künftige Teilnehmer, selbst bei geringer Keimrate zu beobachten, denn diese Daten können uns helfen, die begrenzenden Bedingungen für die Keimlingsentwicklung zu ermitteln.
Wichtige Unterschiede zwischen Provenienzen und Mikro-Gärten. Die Unterschiede zwischen den Herkünften im Wachstum der Bäume sind den Förstern bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass sich die Herkünfte auch in den frühen Lebensstadien und in verschiedenen Umgebungen unterscheiden können! So zeigten beispielsweise die Abies nordmanniana aus Georgien und die Buche aus Slowenien an den meisten Standorten und in den Klimakammern gute Leistungen. Bei einigen Herkünften spielte die Umwelt eine wichtigere Rolle: Die Buche aus dem Iran schnitt in den Klimakammern sehr gut ab, im Freiland jedoch weniger gut.
Die Keimfähigkeit im Freiland kann genauso hoch sein wie in der Klimakammer! So zeigten beispielsweise die Tanne aus Korsika und die Buche aus dem Armoricain-Massiv in der Klimakammer und im Freiland eine gleich hohe Keimfähigkeit, und die Buche aus Slowenien und die Tanne aus Rumänien hatten im Freiland eine höhere Keimfähigkeit als in der Klimakammer.
Unser Student Mert Celik setzte den von Johannes Alt begonnenen Klimakammerversuch fort (siehe unten Ergebnisse vom April 2022) und beendete die Prüfung aller für die Versuche 2021-2026 verwendeten Herkünfte. Dazu gehören Provenienzen von Abies alba, Abies nordmanniana, Fagus sylvatica und Fagus orientalis.
Bei gleichem Licht-Zyklus (16 Stunden Dunkelheit, 8 Stunden Licht) wurde der Versuch diesmal 16 Wochen lang durchgeführt, um zu sehen, ob die Keimungsraten ein Plateau erreichen. Die Umgebungstemperatur wurde in den ersten neun Wochen bei 5-15 oC gehalten und für den Rest der Versuchsdauer auf 10-20 oC erhöht. Bei allen Arten und Herkünften erreichten die Keimraten 80 bis 85 Tage nach Beginn des Versuchs ein Plateau.
Abschließend fasste Mert die Ergebnisse des ersten und des zweiten Versuchs zusammen und stellte fest, dass die Keimungsraten der zur Gattung Abies gehörenden Arten zwischen 9 % und 65 % lagen, mit einer mittleren Keimungsrate von 33 %. Die kaukasische Tanne (Abies nordmanniana) übertraf mit einer Keimrate von 65 % alle anderen Weißtannenprovenienzen. In der Gattung Fagus erreichte die Orientalische Buche aus dem iranischen Alborz-Gebirge die höchste Keimrate von 72 %. Bei allen Provenienzen schwankte die Keimrate zwischen 0 % und 72 %, mit einer mittleren Rate von 29 %. Buchen aus Rumänien (Südkarpaten) und der Schweiz (Salenstein) keimten während des Versuchs überhaupt nicht.
Diese Ergebnisse spiegeln zum Teil wider, was in den Mikrogärten im Feld geschieht (siehe die vorläufigen Ergebnisse im folgenden Abschnitt!).
Kurz und bündig: Die Keimungsraten der Gattung Abies lagen zwischen 9 % und 65 % mit einer mittleren Keimungsrate von 33 %. Bei der Gattung Fagus lagen die Keimraten zwischen 0 % und 72 %, mit einer mittleren Keimrate von 29 %.
In Abhängigkeit von der gewählten Variable, können folgende Ergebnisse angeschaut werden :
der Prozentsatz der gekeimten Samen in jedem Versuchsgarten ("Micro-garden")
die Anzahl gekeimter Samen anhand der Keimungsphase ("Germination stage")
der Anteil an Samen jeder Provienz, die gekeimt ist ("Provenances-abies" or "Provenances-fagus")
die Entwicklung des Prozentsatzes der gekeimten Samen in jedem Garten ("Evolution-abies" or "Evolution"fagus")
die Anzahl der gekeimten Samen für jede Provenienz und jeden Garten ("Heatmap-Abies" oder "Heatmap-Fagus")
Ein Teil der in den Versuchen 2021-2026 verwendeten Samenherkünfte wurde in unserer Klimakammer an der WSL von Masterstudent Johannes Alt getestet. Johannes' Ziel war es, die Keimungsrate der Provenienzen unter trockenem und feuchtem Wassereintrag zu beurteilen. Das Keimungsexperiment wurde in einer Klimakammer mit einem Zyklus von 16 Stunden Nacht und 8 Stunden Tag bei 5 – 15 °C während acht Wochen und 10 – 20 °C während weiteren zwei Wochen durchgeführt.
Die Rotbuche erreichte eine durchschnittliche Keimungsrate von 38,2 % (zwischen 29 % und 59 % zwischen den Provenienzen), während sie bei der Weißtanne 25,4 % (9 % bis 39 %) betrug. Die unterschiedlichen Wassereinträge hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Keimungsrate. Dennoch fand Johannes sowohl für die Rotbuche als auch für die Weißtanne einen signifikanten Herkunftseffekt auf die Keimungsrate, was darauf hindeutet, dass nicht alle Herkünfte gleichermaßen für die getesteten Bedingungen geeignet sind.
Derzeit läuft der zweite Keimungsversuch mit den restlichen Provenienzen. Die kombinierten Ergebnisse aus allen Provenienzen werden eine solide Grundlage für den Vergleich mit der Keimung in den Mikrogärten liefern. Dies hilft uns, Informationen über die Eignung der verschiedenen Provenienzen und ihr Potenzial für die unterstützte Migration abzuleiten!
Begeisterte Bürger:innen und Institutionen aus Schottland, Frankreich, Italien, der Schweiz und Ungarn haben uns bei der Entwicklung der verschiedenen Projektabschnitte unterstützt. Gemeinsam testeten wir die erste Version des Versuchsdesigns und insbesondere die Auswirkung der Samenprädation durch Nagetiere (unter Verwendung von Drahtkäfigen) und Konkurrenzvegetation (unter Verwendung von Unkrautausschlussfolien).
Während die Konkurrenz durch andere Sämlinge keine verstärkten Effekte zu haben schien, war der Fraß von Samen und Sämlingen durch Mäuse und Schnecken ein offensichtliches Problem. Aufgrund dieser Erkenntnisse haben wir eine neue Art von Saatschutz entwickelt, die wir für die folgenden Versuche verwendet haben.
Citizen Science ist eine schöne Art, Forschung zu betreiben, von der sowohl die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch die Öffentlichkeit profitiert. Dank unserer Teilnehmerschaft aus den ersten Stunden konnten wir die verschiedenen Schritte in der Zusammenarbeit mit Praktiker:innen durchlaufen und uns auf die groß angelegte Teilnahme an den nächsten Studien vorbereiten!